Du lebst für deine Kunst. Aber wer kümmert sich um deine Finanzen?
Stell dir folgende Situation vor: Du sitzt beim Bankberater. Er fragt nach deinem monatlichen Einkommen. Du zögerst – denn die Antwort ist jedes Mal eine andere. Mal ein grosses Honorar, mal drei Monate Flaute. Mal Festengagement, mal fünf parallele Projektverträge.
Er nickt höflich, tippt eine Zahl ein und empfiehlt dir dasselbe Vorsorgeprodukt wie der Buchhalterin, die seit 20 Jahren beim gleichen Arbeitgeber ist.
Das Gespräch endet ohne Lösung. Du gehst mit einem Flyer und einem schlechten Gefühl nach Hause.
Genau dieses Problem kenne ich – nicht aus Büchern, sondern aus eigener Erfahrung.
Inhaltsverzeichnis
- Schauspieler, Finanzplaner – und warum das kein Widerspruch ist
- Das Problem: Das Schweizer Vorsorgesystem ist nicht für Kreative gebaut
- Die grössten Fallen – was Kreative in der Schweiz am meisten kostet
- Vorsorge für Kreative: Was gilt ohne feste Anstellung?
- Steuern: Ein Thema, das ich nicht alleine löse
- Investieren: Vermögen aufbauen trotz unregelmässigem Einkommen
- Mein Ansatz: Beratung auf Augenhöhe
- Fazit: Für deine Kunst gibst du alles – deine Finanzen verdienen dasselbe
- Kostenloses Erstgespräch buchen
Schauspieler, Finanzplaner – und warum das kein Widerspruch ist
Ich bin Reto Stalder. Schauspieler, Finanzplaner und Gründer von finanzdepot.ch.
Bevor ich diplomierter Finanzberater IAF und Finanzplaner mit eidg. Fachausweis wurde, spielte ich in Theatern und vor Fernsehkameras – unter anderem als Fabio Testi in der SRF-Krimiserie «Der Bestatter». In dieser Zeit lernte ich, was es bedeutet, Vorsorge, Steuern und Budgetplanung ohne feste Anstellung selbst zu regeln.
Mehrere Pensionskassen. Schwankende AHV-Beiträge. Keine HR-Abteilung, die sich um Versicherungen kümmert. Projekte kommen und gehen.
Irgendwann kaufte ich meine erste Aktie – ursprünglich als Recherche für eine Theaterrolle. Und dann liess mich das Thema Finanzen nicht mehr los. Ich eröffnete diesen Blog, bildete mich weiter und begann, andere zu beraten.
Heute mache ich genau das: Ich berate Menschen, die ähnlich leben wie ich – mit wechselnden Einkommensquellen, Projekthonoraren, Selbständigkeit und dem Wunsch, trotzdem eine solide finanzielle Basis aufzubauen.
Das Problem: Das Schweizer Vorsorgesystem ist nicht für Kreative gebaut
Das ist keine Übertreibung. Das Schweizer Drei-Säulen-System funktioniert in grossen Teilen hervorragend – aber für einen Angestellten mit Festvertrag und regelmässigem Lohn.
Für SchauspielerInnen, Musikerinnen, Bildende KünstlerInnen, FreelancerInnen im Kreativbereich sieht die Realität anders aus:
- Unregelmässiges Einkommen: Mal ein Filmprojekt, mal eine Tournee, mal gar nichts. Die Pensionskasse orientiert sich am Jahreslohn – wer wenig verdient, ist oft gar nicht oder nur minimal versichert.
- Wechselnde Anstellungsverhältnisse: Selbständig, angestellt, beides gleichzeitig – oft sogar im gleichen Jahr. Das macht Vorsorge und Steuern komplex.
- Lücken in der zweiten Säule: Wer nicht durchgehend angestellt ist oder unter dem BVG-Eintrittsschwellenwert liegt, hat automatisch eine Pensionskassenlücke – ohne es zu wissen.
- Kein Arbeitgeber, der mitdenkt: Kein HR, das einen an die Vorsorge erinnert. Oft keine automatischen Lohnabzüge. Man ist auf sich allein gestellt.
- Steuerliche Komplexität: Honorare, Spesen, Abzüge als Selbständige – die Steuererklärung wird schnell zum Puzzle.
Das Tragische daran: Diese Lücken entstehen nicht durch Faulheit oder Desinteresse. Sie entstehen, weil das System nicht erklärt wird – und weil Bankberater selten die richtigen Antworten haben.
Die grössten Fallen – was Kreative in der Schweiz am meisten kostet
AHV-Lücken
Wer nicht durchgehend und vollständig AHV-Beiträge einzahlt, riskiert eine tiefere Rente im Alter. Gerade bei Auslandsengagements kann sich schnell eine Lücke auftun – ohne dass man es merkt.
Sich als Selbständige oder Selbständiger einen tiefen Lohn auszuzahlen, um Sozialversicherungsbeiträge zu sparen, klingt verlockend. Dies hat jedoch direkte Auswirkungen auf die AHV-Rente und die Absicherung bei Invalidität. Langfristig kann sich diese Strategie als nachteilig erweisen.
Was tun? Auszug aus dem Individuellen Konto (IK-Auszug) regelmässig prüfen (kostenlos bei der kontoführenden AHV-Ausgleichskassen) und Lücken frühzeitig schliessen (sofern möglich).
Fehlende oder lückenhafte Pensionskasse (BVG)
Die zweite Säule ist für viele Kreative ein wunder Punkt. Wer wechselnde Arbeitgeber hat, verliert Freizügigkeitsleistungen aus dem Blick. Wer selbständig ist, ist gar nicht automatisch versichert.
Viele Kreative haben mehrere Freizügigkeitskonten bei verschiedenen Stiftungen – und wissen gar nicht mehr, wo genau ihr Geld liegt.
Was tun? Freizügigkeitskonten aufspüren und konsolidieren (Zentralstelle 2. Säule hilft dabei), als Selbständige prüfen, ob ein Beitritt zur Pensionskasse eines Berufsverbandes möglich ist.
Und nicht vergessen: Eine Pensionskasse dient nicht nur dem Vermögensaufbau für die Pensionierung, sondern bietet auch einen wichtigen Schutz bei Erwerbsunfähigkeit und für Hinterbliebene im Todesfall.
Und auch die Unfallversicherung wird oft falsch eingeschätzt. Viele gehen davon aus, dass sie mit dem Unfalleinschluss in der Krankenkasse gleich gut abgesichert sind wie Angestellte über die obligatorische Unfallversicherung des Arbeitgebers. Das ist jedoch nicht der Fall: Die Grundversicherung übernimmt mit dem Unfalleinschluss lediglich die Heilungskosten bei einem Unfall, während Leistungen bei Erwerbsausfall, Invalidität oder für Hinterbliebene nur eingeschränkt oder gar nicht gedeckt sind.
Säule 3a nicht oder falsch genutzt
Viele nutzen die Säule 3a zu wenig – oder zahlen in ein teures Bank- oder Versicherungsprodukt ein, statt in einen kostengünstigen digitalen Anbieter.
Neu ist es möglich, Beitragslücken in der Säule 3a rückwirkend nachzuholen. Das kann steuerlich interessant sein – besonders wenn man in Jahren mit höherem Einkommen nachzahlt.
Was tun? Säule 3a konsequent nutzen, auf Gebühren achten, mehrere 3a-Konten für eine flexible Auszahlungsstrategie aufbauen. Bei tiefen Einkommen lohnt sich eine individuelle Abwägung.
Kein Notgroschen
Unregelmässige Einnahmen bedeuten: Es gibt Monate mit wenig oder keinem Geld. Wer keine Reserve hat, gerät schnell unter Druck – und trifft schlechte Finanzentscheidungen oder greift auf Kredit zurück.
Was tun? Mindestens drei, bei sehr unregelmässigem Einkommen besser sechs oder mehr Monatslöhne als liquide Reserve halten, bevor mit dem Investieren begonnen wird.
Steuern unterschätzt
Ein starkes Jahr – eine happige Steuerrechnung. Wer als Kreative ein aussergewöhnlich gutes Jahr hatte, wird das ein Jahr später bei den Steuern spüren. Ohne Planung kann das teuer werden.
Was tun? In Jahren mit hohem Einkommen lohnt es sich, gezielt gegenzusteuern: eine Einzahlung in die Pensionskasse (Einkauf, oft erst ab einem gewissen Alter sinnvoll) oder in die Säule 3a reduziert das steuerbare Einkommen direkt und legal. Wer diese Instrumente kennt und rechtzeitig einsetzt, zahlt deutlich weniger Steuern – und baut gleichzeitig Vorsorge auf.
Vorsorge für Kreative: Was gilt ohne feste Anstellung?
Die drei Säulen der Schweizer Altersvorsorge sind für Angestellte klar geregelt. Für Kreative und Selbständige lohnt es sich, jeden Bereich aktiv zu gestalten:
Erste Säule (AHV): Ist für alle Erwerbstätigen obligatorisch. Als Selbständige oder Selbständiger musst du dich bei einer Ausgleichskasse anmelden. Die Höhe der Beiträge richtet sich nach deinem Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit.
Zweite Säule (BVG / Pensionskasse): Obligatorisch nur für Angestellte ab dem gesetzlichen Eintrittsschwellenwert (2026: CHF 22’680 Jahreslohn). Selbständige sind nicht automatisch versichert, können aber freiwillig beitreten – oft über Berufsverbände wie den SBKV oder eine eigene Lösung.
Wichtig für Kreative mit kurzen Engagements: Wer weniger als ein Jahr bei einem Arbeitgeber angestellt ist, wird für die Eintrittsschwelle auf ein volles Jahr hochgerechnet. Ein viermonatiger Vertrag mit CHF 3’500 pro Monat entspricht einem hochgerechneten Jahreslohn von CHF 42’000 – und löst damit die BVG-Pflicht aus. Allerdings greift die Versicherungspflicht erst ab einer Vertragsdauer von mehr als drei Monaten. Ein zweimonatiges Engagement bleibt also unversichert – eine typische Lücke im Lebenslauf vieler Kreativer.
Dritte Säule (Säule 3a): Freiwillig, aber steuerlich oft attraktiv. Für Angestellte liegt der Maximalbetrag 2026 bei CHF 7’258, für Selbständige ohne Pensionskasse bei 20% des Nettoeinkommens, maximal CHF 36’288.
Mein Tipp: Wer früh anfängt und konsequent einzahlt, kann auch ohne klassische Pensionskasse eine solide Altersvorsorge aufbauen. Aber: Es braucht Eigeninitiative – das Geld landet nicht automatisch irgendwo.
Steuern: Ein Thema, das ich nicht alleine löse
Steuerfragen sind für Kreative oft komplex:
- gemischte Einkommen
- Abzüge als Selbständige
- Quellensteuer bei Auslandshonoraren
Das ist ein eigenes Fachgebiet, das ich nicht direkt berate. Was ich tue: Ich erkenne steuerrelevante Situationen in der Finanzplanung – etwa wann ein Pensionskasseneinkauf oder eine Säule-3a-Einzahlung steuerlich sinnvoll ist – und arbeite bei Bedarf mit spezialisierten Steuerberatern aus meinem Netzwerk zusammen.
Investieren: Vermögen aufbauen trotz unregelmässigem Einkommen
Auch wer kein fixes Monatsgehalt hat, kann langfristig Vermögen aufbauen. Der Schlüssel liegt in einer Strategie, die zur eigenen Einkommenssituation passt – nicht in Produkten, die für Normalverdiener mit Festanstellung entwickelt wurden.
Meine Grundprinzipien:
- Notgroschen zuerst. Bevor investiert wird, muss ein finanzielles Polster vorhanden sein. Immer.
- Erst die Säule 3a. Der Steuereffekt ist so stark, dass sie fast immer priorisiert werden sollte – ausser das Einkommen ist sehr tief.
- Dann breit gestreut investieren. Günstige digitale Anbieter mit globalen ETFs oder Fonds sind für die meisten die sinnvollste Lösung. Kein aktives Stock-Picking, keine teuren Fonds.
- Automatisieren. Wer jeden Monat automatisch überweist – auch kleine Beträge –, spart konsequent ohne grossen Aufwand.
- Nicht auf Markttiming setzen. Niemand weiss, wann der beste Zeitpunkt ist. Regelmässig investieren (Cost-Average-Effekt) ist besser als auf den perfekten Moment zu warten.
Mein Ansatz: Beratung auf Augenhöhe
Was mich von anderen Finanzberatern und Finanzplanern unterscheidet: Neben dem Fachwissen bringe ich etwas mit, das sich nicht studieren lässt – die eigene Erfahrung mit genau dieser Lebenssituation.
Ich weiss, wie es sich anfühlt, wenn das nächste Engagement noch nicht fest ist. Ich kenne die Unsicherheit eines unregelmässigen Einkommens. Und ich verstehe, dass Finanzen für viele Kreative lange Zeit ein blinder Fleck war – nicht aus Desinteresse, sondern weil die üblichen Angebote einfach nicht gepasst haben.
Meine Beratung ist:
- Unabhängig: Ich erhalte keine Provisionen oder Kickbacks von Anbietern.
- Transparent: Ich rechne im Stundensatz ab, ohne versteckte Kosten.
- Auf dich zugeschnitten: Kein Standardprodukt, keine Hochdruckverkaufsgespräche.
Als Vermögensberater, Finanzberater, Finanzplaner und Prüfungsexperte bei der IAF – ausgezeichnet als Finanzberater des Jahres 2024 und eingetragen im Beraterregister einer FINMA-zugelassenen Registrierungsstelle – bringe ich das Handwerk mit. Als Schauspieler bringe ich das Verständnis für deine Welt.
Fazit: Für deine Kunst gibst du alles – deine Finanzen verdienen dasselbe
Ob du Schauspielerin, Musiker, Tänzerin oder bildender Künstler bist – deine Finanzsituation ist individuell. Und sie verdient eine Beratung, die das anerkennt.
Vorsorgelücken schliessen, Steuern optimieren, langfristig investieren – das alles ist auch mit unregelmässigem Einkommen möglich. Es braucht dafür keinen komplizierten Finanzplan aus dem Lehrbuch, sondern einen klaren, ehrlichen Blick auf deine Situation – und jemanden, der die Zusammenhänge versteht.
Ich helfe dir dabei – von Mensch zu Mensch, aus eigener Erfahrung.
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