Letztes Update: 13. September 2026
Viele Anleger investieren heute kostengünstig mit ETFs. Trotzdem erreichen viele nicht die Rendite, die ihre Strategie eigentlich ermöglichen würde. Der Grund ist oft nicht der ETF selbst, sondern typische Verhaltensfehler: Panikverkäufe, Market Timing, fehlendes Rebalancing und Performance Chasing.
Panikverkäufe: Warum Anleger im Crash den grössten Fehler machen
Im März 2020 verlor der Weltaktienmarkt innerhalb von fünf Wochen rund 34 Prozent. Wer in dieser Phase verkauft hat, hat den Verlust real gemacht. Der globale Aktienmarkt aber erreichte einige Monate später wieder neue Höchststände.
Der Markt bestraft nicht Schwankung. Er bestraft den Verkauf zum falschen Zeitpunkt. Ein Kursrückgang gehört zum Investieren. Problematisch wird er vor allem dann, wenn Anleger im Tief verkaufen und damit aus einem vorübergehenden Rückgang einen dauerhaften Verlust machen.
Nie rebalancieren
Ein Portfolio mit ursprünglich 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Obligationen kann sich nach einem langen Bullenmarkt unbemerkt in Richtung 80/20 verschieben, einfach weil Aktien schneller gewachsen sind. Das Risiko im Portfolio steigt schleichend – bis zum nächsten Einbruch, der dann deutlich stärker durchschlägt als geplant.
Rebalancing bedeutet nicht, ständig Gewinner zu verkaufen. Es bedeutet, das Risiko wieder auf das Niveau zurückzuführen, das ursprünglich bewusst gewählt wurde.
Ein jährlicher Check reicht meist aus. Es braucht kein Mikromanagement, sondern einen fixen Termin, an dem die Gewichtung zurück auf den Zielwert gebracht wird.
Performance Chasing
Der Fonds oder die Aktie, die letztes Jahr am besten gelaufen ist, wirkt verlockend. Genau deshalb fliesst nach guten Jahren am meisten Geld in eine Anlage – und nach schlechten am meisten heraus. Das ist statistisch die falsche Reihenfolge.
Die Vergangenheit eines Fonds oder eines Hypes – aktuell etwa bei KI-Aktien – sagt nichts über die zukünftige Entwicklung aus. Wer der Performance hinterherläuft, kauft im Schnitt teuer und verkauft günstig.
Genau deshalb investieren viele langfristig orientierte Anleger nicht einfach in die Gewinner der Vergangenheit, sondern diversifizieren breit und nutzen wissenschaftlich untersuchte Renditequellen – sogenanntes Factor Investing.
Market Timing
„Ich warte auf den richtigen Einstieg“ klingt vernünftig, funktioniert aber selten. Untersuchungen zeigen regelmässig: Wer nur wenige der besten Börsentage verpasst, reduziert seine langfristige Rendite deutlich. Das Tückische: Die besten Tage liegen oft unmittelbar nach den schlechtesten – also genau dann, wenn die meisten Anleger bereits ausgestiegen sind.
Zeit im Markt schlägt Timing des Markts. Wer durchgehend investiert bleibt, statt auf den perfekten Moment zu warten, ist über lange Zeiträume im Vorteil.
Fazit
Panikverkäufe, fehlendes Rebalancing, Performance Chasing und Market Timing haben einen gemeinsamen Nenner: Sie sind emotionale Reaktionen auf kurzfristige Marktbewegungen, keine rationalen Anlageentscheide. Das ist keine Frage von Intelligenz, sondern von Systematik.
Ein klarer Plan – und jemand, der in turbulenten Phasen daran erinnert, ihn einzuhalten – ersetzt nicht die Selbstdisziplin, aber er macht sie deutlich einfacher.
Häufige Fragen zu Fehlern beim ETF-Investieren
Ja. ETFs schwanken mit den Märkten. Entscheidend ist, ob die Anlagestrategie zum Anlagehorizont und zum Risikoprofil passt.
Empirische Studien zum Anlegerverhalten zeigen, dass Market Timing und emotionale Verkäufe häufig zu tieferen Renditen führen. Besonders problematisch ist, dass die stärksten Erholungstage oft kurz nach starken Rückgängen auftreten.
Für viele Anleger reicht eine jährliche Überprüfung und gegebenenfalls ein Rebalancing.
Einzelne Anleger können gelegentlich richtig liegen. Dauerhaft und zuverlässig funktioniert Market Timing jedoch kaum.
Reto Stalder
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