Letztes Update: 24. Mai 2026
Wenn Menschen in der Schweiz das Wort «unabhängige Finanzberatung» hören, denken viele automatisch an das VZ VermögensZentrum. Das Unternehmen hat sich über 30 Jahre lang genau diesen Ruf aufgebaut: Kein Produktverkauf, keine Provisionen, nur Honorar. Klingt gut.
Aber wenn du gerade überlegst, ob das VZ die richtige Wahl für dich ist – oder ob es bessere Alternativen gibt – lohnt sich ein genauerer Blick. Denn zwischen dem, was ein Unternehmen über sich sagt, und dem, womit es sein Geld verdient, kann eine Diskrepanz bestehen.
📌 Das Wichtigste in Kürze: Laut Geschäftsbericht 2025 der VZ Holding AG betrug der Honorarertrag CHF 43.8 Mio. – während die Verwaltungserträge aus verwalteten Vermögen CHF 382.1 Mio. ausmachten. Das ist ein Verhältnis von fast 1:8.7. Für jeden Franken, den das VZ mit Beratung verdient, verdient es CHF 8.70 mit der Verwaltung von Kundengeldern.
Inhaltsverzeichnis
- Was das VZ über sich sagt
- Die Zahlen aus dem Geschäftsbericht 2025
- Wo der strukturelle Interessenkonflikt liegt
- Was das VZ trotzdem gut macht
- VZ Alternative: Was gibt es in der Schweiz?
- Was kostet ein Honorarberater im Vergleich?
- Fazit: Unabhängigkeit ist ein Vergütungsmodell
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
- Kostenloses Erstgespräch buchen
Was das VZ über sich sagt
Das VZ Vermögenszentrum bezeichnet sich selbst als «führenden unabhängigen Finanzberater der Schweiz». Die Begründung: Man verkaufe keine eigenen Finanzprodukte, erhalte keine Provisionen oder Kickbacks von Dritten, und berate daher ohne Interessenkonflikt.
Das klingt überzeugend – und ist im Vergleich zu einer typischen Grossbank tatsächlich ein Fortschritt. Trotzdem greift diese Darstellung zu kurz.
Die Zahlen aus dem Geschäftsbericht 2025
Das VZ ist eine kotierte Aktiengesellschaft (SIX: VZN) und publiziert einen detaillierten Jahresbericht. Ein Blick in die konsolidierte Erfolgsrechnung des Geschäftsjahres 2025 macht die Ertragsstruktur schonungslos transparent:
VZ Holding AG – Konsolidierte Erfolgsrechnung 2025
Quelle: Geschäftsbericht 2025, VZ Holding AG
| Ertragsposition | 2025 (CHF Mio.) | 2024 (CHF Mio.) | Wachstum | Anteil am Total |
|---|---|---|---|---|
| Honorarertrag (Beratungshonorare: Pensionierung, Steuer, Nachlass, Anlageberatung etc.) | 43.8 | 38.6 | +13.4% | 7.6% |
| Verwaltungsertrag aus verwalteten Vermögen (Vermögensverwaltungs- und Kunden-betreuungserträge, All-in-Fees, Depotgebühren, Hypothekenerträge) | 382.1 | 332ö.4 | +15.0% | 66.5% |
| Übriger Verwaltungsertrag (Versicherungsverwaltung, Stiftungen, Pensionskassen) | 37.5 | 34.8 | +7.8% | 6.5% |
| Bankerträge (Kommission, Handel, Zins) + Versicherungs- und Übriger Ertrag | 111.1 | 119.3 | –6.9% | 19.3% |
| Total Erträge | 574.5 | 525.1 | +9.4% | 100% |
Das Verhältnis auf einen Blick: 1 : 8.7
Für jeden Franken Honorarertrag (Beratung) verdient das VZ CHF 8.70 aus Verwaltungserträgen auf Kundengeldern. Die Beratung ist der Türöffner – das eigentliche Geschäft ist die Vermögensverwaltung.
Der Geschäftsbericht definiert den Verwaltungsertrag aus verwalteten Vermögen dabei klar: Er umfasst die «Vermögensverwaltungs- und Kundenbetreuungserträge, die Nettoerträge aus den All-in-Fees, die Netto-Depotgebühren sowie die Erträge aus der Bewirtschaftung von Wohneigentumshypotheken» – alles prozentualer Ertrag, der direkt vom Volumen der verwalteten Kundengelder abhängt.
Oder wie es die Handelszeitung in einer Ausgaben vom 20. Juli 2025 formulierte: «Fakt ist: Die Pensions- und Geldberatung ist ein wichtiges Akquisetool für die hauseigene Vermögensverwaltung.»
Wo der strukturelle Interessenkonflikt liegt
⚠️ Kritischer Punkt: Ein Berater, der prozentuale Gebühren auf dein verwaltetes Vermögen erhebt, verdient dann mehr, wenn er mehr von deinem Kapital verwaltet. Das kann einen strukturellen Anreiz schaffen, Kunden in die Vermögensverwaltung zu überführen – unabhängig davon, ob das die optimale Lösung wäre.
Beim VZ entscheidet letztlich dieselbe Organisation, ob du Beratung brauchst und ob danach eine Vermögensverwaltung sinnvoll ist. Das Verhältnis von 1 : 8.7 zeigt, dass die Vermögensverwaltung wirtschaftlich deutlich wichtiger ist als die reine Beratung.
Das VZ ist transparent genug, um sein Geschäftsmodell in Geschäftsberichten offen zu legen – das ist positiv. Aber der Claim der vollständigen Unabhängigkeit verdient eine Einschränkung: Unabhängig von Produktprovisionen? Ja. Jedoch nicht vollständig frei von wirtschaftlichen Anreizen rund um die Vermögensverwaltung.
Im Jahr 2025 flossen dem VZ insgesamt CHF 5.8 Mia. an Neugeld zu. CEO Giulio Vitarelli bestätigt im Geschäftsbericht explizit: «Ein grosser Teil unserer Kundinnen und Kunden möchte die Ergebnisse der Beratung auch mit uns umsetzen».
Ein echter «Fee-only»-Berater – jemand, der ausschliesslich pro Stunde abrechnet und nie eine prozentuale Gebühr auf dein Kapital erhebt – reduziert diesen spezifischen Interessenkonflikt deutlich
Was das VZ trotzdem gut macht
Fairness gebietet: Das VZ hat viele Menschen zu besseren Finanzentscheidungen geführt. Die frei zugänglichen Fachbeiträge und Studien sind qualitativ hochwertig und das Netz an Niederlassungen ist dicht. Im Vergleich zu Grossbanken, die eigene Fonds mit versteckten Vertriebsgebühren verkaufen, ist das VZ zweifellos ein besseres Angebot.
Für Menschen, die eine Rundumbetreuung wollen und bereit sind, dafür dauerhaft prozentuale Gebühren zu zahlen, kann das VZ sinnvoll sein. Aber «besser als eine Grossbank» ist nicht dasselbe wie «vollständig interessenkonfliktfrei».
VZ Alternative: Was gibt es in der Schweiz?
| Anbieter-Typ | Vergütungsmodell | Interessenkonflikt | Für wen geeignet |
|---|---|---|---|
| VZ Vermögenszentrum | Honorar + % AUM-Gebühren | Mittel (Volumenabhängigkeit) | Wer Rundumbetreuung will |
| Fee-only Honorarberater (z.B. finanzdepot.ch) | Nur Stundenhonorar | keiner | Wer echte Unabhängigkeit will |
| Digitale Vermögensverwalter (Descartes, VIAC, Findependent, TrueWealth …) | Tiefe % AUM-Gebühren | Gering, transparent | Günstige ETF-Anlage, 3a |
| Grossbanken (UBS, Kantonalbanken, Raiffeisen) | Produktgebühren, Retros | Hoch (eigene Produkte) | Für produktunabhängige Beratung oft weniger geeignet. |
AUM (Assets under Management):
Das verwaltete Kundenvermögen, auf dessen Basis ein Anbieter laufende Gebühren (meist prozentual) verdient.
Retros:
Rückvergütungen (Kickbacks), die ein Finanzdienstleister von Produktanbietern erhält, wenn bestimmte Produkte vermittelt oder eingesetzt werden.
Was kostet ein Honorarberater im Vergleich?
💡 Rechenbeispiel: Angenommen, du hast CHF 500’000 zu investieren. Ein AUM-basierter Berater mit 0.7% Gebühr kostet dich CHF 3’500 pro Jahr – dauerhaft. Ein Honorarberater mit CHF 200/Stunde, der dich einmal jährlich 5 Stunden begleitet, kostet dich CHF 1’000.
Nach 10 Jahren: CHF 35’000 vs. CHF 10’000 – ohne die Produktkosten, die beim unabhängigen Berater tendenziell tiefer ausfallen, weil er keine Anreize hat, teure Lösungen zu empfehlen.
Fazit: Unabhängigkeit ist ein Vergütungsmodell
Das VZ Vermögenszentrum ist eine seriöse, professionelle Organisation. Aber die Zahlen aus dem eigenen Geschäftsbericht sprechen eine klare Sprache: Nur 7.6% der Einnahmen kommen aus Beratungshonoraren. 66.5% kommen aus der Verwaltung von Kundengeldern.
Wer wirklich unabhängige Finanzberatung sucht, sollte verstehen: Unabhängigkeit ist kein Label – es ist ein Vergütungsmodell. Frag deinen Berater: «Wie werden Sie bezahlt?» Die Antwort sollte eindeutig sein.
Es gibt in der Schweiz auch Anbieter, die ausschliesslich auf Stundenbasis arbeiten. Ich berate beispielsweise auf Stundenbasis – ohne verwaltete Vermögen, ohne Kickbacks, ohne Wachstumsanreize.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Das VZ ist unabhängig von Produktprovisionen. Laut Geschäftsbericht 2025 betrug der Honorarertrag jedoch nur CHF 43.8 Mio. (7.6% des Gesamtertrags), während die Verwaltungserträge aus verwalteten Vermögen CHF 382.1 Mio. (66.5%) ausmachten. Das Verhältnis 1 : 8.7 kann darauf hindeuten, dass ein struktureller Anreiz besteht, Kunden in die Vermögensverwaltung zu überführen.
Je nach Bedarf: Reine Honorarberater (CHF 150–250/h), digitale Vermögensverwalter wie Descartes, VIAC oder TrueWealth für günstige ETF-Portfolios. Entscheidend ist das Vergütungsmodell.
Die Beratung wird stundenmässig abgerechnet. Dazu kommen prozentuale Verwaltungsgebühren (ca. 0.5–1% p.a. (je nach Mandat typischerweise im branchenüblichen Bereich vermögensabhängiger Gebühren)), die laut Geschäftsbericht 2025 über 66% der Gesamteinnahmen ausmachen.
Unabhängige Finanzberatung
Reto Stalder
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Quellen und Aktualität: Die Analyse basiert auf der Interpretation öffentlich zugänglicher Daten, insbesondere des Geschäftsberichts 2025 der VZ Holding AG. Trotz grösstmöglicher Sorgfalt bei der Recherche kann keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Zahlen übernommen werden. Unternehmenskennzahlen können sich jederzeit ändern.
Offenlegung von Interessenkonflikten: Der Autor dieses Beitrags ist selbst als Honorarberater in der Schweiz tätig und bietet Dienstleistungen an, die im Wettbewerb zu den genannten Anbietern stehen können. Dieser Beitrag ist daher sowohl als redaktionelle Analyse als auch als Eigenwerbung zu verstehen. Das Ziel ist eine transparente Darstellung verschiedener Geschäftsmodelle am Schweizer Markt, um dem Leser eine eigenständige Meinungsbildung zu ermöglichen.
